Demonstration

Sept. 9, 2013

Feminismus statt Angst

Feminismus statt Angst. Klingt gut.
Für eine Demonstration auf der es darum geht, dass Frauen keine Angst mehr haben müssen im Dunklem auf die Straße zu gehen.

Aber völlig daneben, um damit gegen Überwachung zu demonstrieren.

Warum?

  • Es hat nichts mit der Demo zu tun. Weder der Text, noch der Inhalt. Es ging bei dieser Demo um Freiheit, nicht um Feminismus, Gleichberechtigung oder andere Ziele.
  • Der Slogan lenkt ab. Wenn ein Reporter ein Bild mit diesem Plakat verwendet, dann wird die Aufmerksamkeit auf Feminismus gelenkt, nicht auf Überwachung.
  • Es "entführt" die Demo. Die Demonstration ging um Überwachung und es ist gut, wenn eine Demo sich auf möglichst ein Thema fokussiert. Es spricht nichts dagegen zu anderen Themen weitere Demonstrationen zu veranstalten.

Auch die weiteren Slogans sind daneben:

  1. Free Chelsea Manning
  2. Her name is Chelsea
Warum?

Fangen wir mit dem zweitem an: Dieser hat wieder absolut nichts mit der Demonstration zu tun.
Zugegeben, ich habe nicht genau verfolgt, was er für ein Geschlecht bzw. was für eine Geschlechterrolle er angenommen hat und was die Details dazu sind.
Das ist für diese Demonstration aber auch völlig irrelevant. Das ist ein persönliches Detail und streng genommen fällt es sogar in seine Privatssphäre, für die schließlich demonstriert wurde.

In Bezug auf ihn geht es bei der Demonstration aber um zwei Dinge:

  • Das, was er aufgedeckt hat.
  • Das, was er dafür erleiden musste.

Was ist am erstem Slogan falsch?
Inhaltlich ist der Slogan gar nicht so falsch, wenn er diese Identität nun angenommen hat. Aber der Slogan ist schädlich für eine "Freiheit statt Angst" Demo.

  • Er lenkt wieder die Aufmerksamkeit von ihm als Person auf sein Geschlecht.
  • Aus den Medien weiß jeder, wer Bradley Manning ist und er ist für viele ein Held geworden. Unter diesem Namen. Für ihn unter seinem neuem Namen zu protestieren schwächt die Botschaft, denn viele werden sie gar nicht verstehen. Andere werden denken "Warum Chelsea? Heißt er nicht Bradley?".
Es gilt also bei beiden Punkten: Für eine feministische Demo sind sie durchaus berechtigt. Dort kann man dafür protestieren, dass Leute, die ihr Geschlecht ändern, auch anders angeredet werden sollten.

Aber auf einer Demo, die sich für die Ziele einsetzt, die er unter dem Namen "Bradley Manning" vertreten hat, ist der Slogan sehr schlecht gewählt.

Hier könnte man jetzt noch auf die starke Kritik gegen die Gruppe Anonymous eingehen, in welcher sich meiner Meinung nach einige Leute wesentlich stärker für die eigentlichen Ziele engagieren und sich nicht auf Nebenkriegsschauplätzen verzetteln.

Ich denke aber, diese Diskussion lohnt nicht. Die abfälligen Kommentare waren natürlich falsch. Aber alle Anonymous "Mitglieder" in einen Topf zu werfen wäre falsch, gerade bei einem solchem Kollektiv, welches gar keine geschlossene Gruppe darstellt.

Liebe Kacknerds, demonstriert das nächste Mal alleine.
In dem Sinne, macht eure eigene Demo für mehr Feminismus. Und das ist gar nicht einmal böse oder ironisch gemeint.

Ich finde es gut, wenn jemand für das eintritt, was ihm wichtig ist.
Aber bitte nicht zu viele Dinge in der gleichen Demonstration vermischen, und erst recht nicht Demos kapern, die ein anderes Thema haben.

Kategorien: Überwachung Aktionen Datenschutz Spionage Politik
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Okt. 11, 2008

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Okt. 23, 2007

Post von der Tagesschau

auf meine Email vom 23. September:
Sehr geehrte Damen und Herren der Tagesschau-Redaktion, ich hätte mich doch gefreut, wenn sie einem Ereignis wie der Demonstration für unsere Grundrechte("Freiheit statt Angst") einen längeren Bericht gewidmet hätten. Ich war sehr enttäuscht, dass ein Ereignis bei dem 15.000 Menschen für ihre persönliche Freiheit, aber auch für die Tagesschau, also für die Pressefreiheit und den Informantenschutz(Stichwort Vorratsdatenspeicherung, niemand der etwas "zu befürchten hat" wird mehr Informationen zuspielen können) so wenig Bedeutung beigemessen wird.
kam heute die Antwort:
vielen Dank für Ihre E-Mail. Bitte entschuldigen Sie, dass Sie etwas auf Antwort warten mußten.

tagesschau, tagesthemen und die anderen Sendungen von ARD-aktuell berichten seit Jahren kontinuierlich über neue Maßnahmen im Bereich der Inneren Sicherheit. In vielen Beiträgen haben wir uns mit dem Lauschangriff, fälschungssicherem Pass und Personalausweis, Video-Überwachung und auch der Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten beschäftigt. Breiten Raum hat in letzter Zeit vor allem die Online-Durchsuchung eingenommen. Mangelndes Interesse am Datenschutz kann man uns also nicht vorwerfen.

Die Demonstration am 22. September in Berlin schien uns vor diesem Hintergrund in der 20-Uhr-Sendung nicht so relevant zu sein, dass wir dafür auf ein anderes Thema verzichten wollten. Wenn wir Platz gehabt hätten, hätten wir sicherlich überlegt, auf die Proteste einzugehen. tagesthemen und die Nacht-Ausgabe der tagesschau haben dann aber über die Kundgebung berichtet.

Die 15.000 Bürger gegen Überwachung scheinen also nicht relevant zu sein.

Außerdem fallen sie anscheinend weiter auf den "Honeypot" Onlinedurchsuchung rein. Es ist nur leider nicht so, dass wenn die O.D. verhindert wird der Bürger wieder vor der Überwachung sicher wäre. Der Rest des BKA-Gesetzes ist legitimiert immernoch eine weitreichende Überwachung. Und die Vorratsdatenspeicherung wird schon nächstes Jahr kommen, sofern keiner sie aufhält.

Die Demonstration ging darum ja um "Freiheit statt Angst", und nicht nur (und eigentlich auch nicht hauptsächlich) gegen die Onlinedurchsuchung.

Kategorien: Medien Politik Datenschutz
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