Aug. 31, 2008

Nachbarschaftsbewertungsseite Rottenneighbor von deutschen Providern zensiert

Die "Denunziantenseite" Rottenneighbor.com, welche den Zweck hat dass man seine rotten(d.h. verkommenen, üblen) Nachbarn auf einer Karte markieren kann wird momentan von deutschen Providern wegzensiert.

So übel das Konzept der Seite an sich ist, desto übeler ist es doch, wenn man keine Chance mehr hat zu überprüfen ob man von jemandem dort eingetragen wurde. Und wer die Seite besuchen will, findet genug Proxies wie z.B. Tor, mit denen es noch möglich ist.

Anstatt mit Zensur gegen Symptome vorzugehen, wäre es besser mit scharfem Datenschutz gegen die ganze Seite vorzugehen, bzw. da die Seite ja amerikanisch ist zumindest zu bewirken dass Deutschland aus deren Karte gestrichen wird.

[UPDATE] Technische Details gibts bei Netzpolitik

Kategorien: Zensur
Tagged: Tor Karte rottenneigbor Denunzianten Proxy Nachbarn

5 Kommentare

Kommentare
Sept. 1, 2008 11:31 - Michael Ritter

Es stellt sich nur die Frage, ob ein Anbieter, der sich so etwas ausgedacht hat, auf deutsche Bedenken so einfach eingeht und Deutschland herausnimmt. Ich habe da meine Zweifel, insbes. in den USA, deren Vorstellung von Meinungsfreiheit aus deutscher Sicht ja teilweise etwas überzogen erscheint.

Sept. 1, 2008 14:50 - laxu

Naja, ich denke eventuell müssen deutsche Datenschützer auch mal die Kooperation die wir mit Amerika haben nutzen um dafür zu sorgen dass Amerika unseren Datenschutz wahrt. Die Deutsch-Amerikanische Freundschaft sollte soetwas doch möglich machen.

Zuerst wäre natürlich ein Dialog mit den Seitenbetreibern gut, nur das wäre ja deren Geschäftsmodell schädigend wenn sie Deutschland ganz rausnehmen.

Aber wer meint, dass Zensur uns schützt, irrt. Eine Zensur die wirklich davor schützt, dass mein Nachbar guckt was mein anderer Nachbar über mich geschrieben hat, müsste strenger implementiert und durchgesetzt werden als die chinesische (z.b. alle Proxies und ähnliche Services verhindern), wonach man das Ergebnis nicht mehr »Internet« nennen kann.

Eine allumfassende Zensur müsste z.B. auch E-Mail filtern, weil es auch Services gibt die einem eine Seite zumailen zum Beispiel. Und dann natürlich E-Mails, Chats, etc. filtern wo ein befreundeter Amerikaner mir die Daten von der Seite durchgibt.

Ne, mit Zensur lässt sich das wohl eher nicht lösen.

Sept. 2, 2008 11:28 - Michael Ritter

Ich erinnere da an die Schwierigkeiten, die wir seit Jahren gerade mit den USA haben, wenn es rechte Haßpropaganda geht. Wenn ein Aufruf zum Völkermord in den USA unter die Meinungsfreiheit fällt, dann wird das deutsche Datenschutzrecht doch eher belächelt werden.

Sept. 2, 2008 12:19 - laxu

Wie gesagt, ich glaube nicht, dass man die Meinungsfreiheit im Internet da wirklich noch effektiv beschnitten bekommt.

Gut, die Seite kann man sperren, oder eventuell auch bewirken dass die Deutschland rausnimmt, und die meisten Alternativen werden nicht die Ressourcen haben gleich mit Landkarte und allem drum und dran dich als faulen Apfel zu markieren. Aber wer über dich im Netz lästern möchte, wird irgendwo eine Platform dafür finden.

Was Nazi-Propaganda angeht denke ich persönlich, soll sie doch online stehen. Ein vernünftiger Mensch hat dann einen Grund mehr zu sagen dass Nazis Scheisse sind, und kann es anhand der Seiten effektiv belegen. Jemand der schon Nazi ist, wird auch durch effektive Zensur von Naziseiten nicht aufhören.

Außerdem kann die Seite im Netz doch schöner vom Verfassungschutz oder wem auch immer beobachtet werden als geheime Treffen bei einem der Nazis selber.

Und wenn jemand neues nach „Nazi“ sucht, findet er mit Sicherheit mehr Anti-Nazi-Seiten im Netz als Naziseiten.

Wie soll man also das Problem angehen? Man hat ein Medium geschaffen dass nicht mehr effektiv zensiert werden kann, und jetzt kommt Inhalt den man nicht gerne im Netz sehen will. Wie soll das weitergehen? Die Frage stellt sich auch schon bei deutschen Seiten wie yasni ...

Sept. 6, 2008 15:02 - RottenNeighbor vom eigenen Erfolg überrannt [laxu]

[...] erledigt sich der Verdacht dass die Seite von deutschen Providern gesperrt wurde [...]


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